Einen traumatisierten Hund aufnehmen: Esmeralda, Herzenshund aus Bosnien

Vom Auslandstierschutz von Bahnschienen gerettet und dann traumatisiert mit einem halben Jahr zu mir nach Deutschland. Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich eingelassen hatte, aber es brauchte nur ein einziges Bild von ihr und ich musste sie aufnehmen. Es war sehr schwierig beizeiten, aber absolut wert und wir haben viel gelernt.

Esmi im Feld

Spuren des Straßenlebens

Esmi wurde von der Straße gerettet, hat also schlussendlich ganz viel Glück gehabt, dennoch ist sie von der Vergangenheit gezeichnet. Sie ist Fremden gegenüber verschlossen und kann aus Angst aggressiv reagieren, weil sie per se immer erstmal vom Schlimmsten ausgeht. Sie bewacht mich und unser Heim mit Hingabe, weil das ihr sicherer Hafen ist. Am Anfang war extrem schwer zu managen, dass sie das Haus überhaupt verlässt und wir haben ein halbes Jahr gebraucht, bis sie zuverlässig ihre Geschäftchen draußen machen konnte. Nach wie vor fällt es ihr sehr schwer allein zu bleiben. Weil sie gelernt hat sich selbst versorgen zu müssen, ist ihr Jagdtrieb sehr ausgeprägt und sie wird wahrscheinlich nie komplett abrufbar sein. Das alles sind Dinge, mit denen wir unseren Frieden gemacht haben und unser Leben auf sie einstellen. Weil sie wichtig ist und es ihr so gut gehen soll, wie es nur geht.

Einem traumatisierten Hund Sicherheit geben

Schnelle Hilfe, schnelle Umsetzung

Kein Hungern mehr

Sorg dafür, dass immer wieder kleine Mengen an Futter verfügbar sind, damit sich dein Hund darauf verlassen kann, dass er versorgt ist.

Du bist der Schutz

Führe deinen Hund so, dass du immer zwischen ihm und den Dingen bist, die ihn unsicher machen. Wenn er stehen bleibt, warte bis er sich wieder sicher genug fühlt weiterzugehen.

Anfangs kurze Leine

Eine 1 m Leine gibt gerade am Anfang Sicherheit. Stell es dir vor, als würdest du mit ihm Hand in Hand laufen mit dir als sicherer Begleitung.

Sei sanft

Kein Ziehen oder Rucken an der Leine. Hab Geduld, bring so viel Zeit mit wie es geht. Wenn doch die Zeit mal ausgeht, brichst du dir keinen Zacken aus der Krone, wenn du ihn auf den Arm nimmst.

Trösten, beruhigen

Wenn dein Hund Angst hat, ignorier ihn nicht, sondern steh ihm zur Seite mit liebevollen Worten und ruhiger Haltung.

Sprich mit deinem Hund

Erkläre ihm in Worten, was passiert und was du von ihm möchtest. Sprich freundlich wie mit einem Kind. Lobe ihn, wenn er dich ansieht. Lobe alles, auch wenn es "normale" Dinge sind, wie Pipi. Sag ihm, wie lieb du ihn hast. Sag ihm, wie toll er ist.

Was du tun kannst, wenn du überfordert bist

Erstmal: Das ist in Ordnung 🙂

Lass dir den Raum dafür, auch mal überfordert zu sein. Einen traumatisierten Hund aufzunehmen kann viel erfordern und viel kosten. Es ist okay, wenn es sich nach viel anfühlt. Einatmen – ausatmen. Du schaffst das.

Hör auf deine Intuition, nicht auf Trainer.

Wenn du in einem Hundetraining bist und in dir spürst du Widerwillen: Hör darauf. Deine Intuition weiß es besser. In Hundeschulen wird nach wie vor so viel Härte propagiert; erlaube dir die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wenn du dich unwohl fühlst, dass es nicht das Richtige für euch ist. Nur weil jemand ein "Trainer" ist, hat er oder sie noch lange nicht Recht. Dein Hund spürt deinen inneren Tumult. Such dir Hilfe, bei der deine Intuition Ja sagt.

Einen Schritt nach dem anderen.

Du musst nicht von heute auf morgen alles zum laufen bringen. Was ist der nächste wichtige Schritt, genau jetzt? Ist es, dass dein Hund im Auto mitfahren kann? Oder dass er in der Wohnung zur Ruhe kommt? Konzentriere dich darauf. Lass den Rest erstmal los.

Sorg für dich selbst.

Wenn es dir selbst schlecht geht, ist deine Kapazität für andere zu sorgen gering. Sorg dafür, dass du Momente für dich hast, wo du etwas Schönes nur für dich machen kannst. Sei es ein paar Blumen zu pflücken oder mal in Ruhe aufs Klo zu gehen. (Hundi kann ja mitkommen, das ist ok 😉 )

Hol dir Hilfe.

Verbindung macht alles leichter. Such dir Gleichgesinnte, jemandem, dem du vertraust zum reden, der dir vielleicht auch mal unter die Arme greifen kann und sei es nur, um dir mal Kaffee zu machen. Für deinen Hund und dich als Team ist es am besten, ihr werdet ganz individuell als ihr selbst gesehen und nicht in ein Schema gesteckt, in dem ihr funktionieren müsst. Hol dir Hilfe, die dir zuhört und bei der ihr euch sicher fühlt.

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