Der Begriff Psychopompos stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Seelengeleiter“. Eine Seele wird auf ihrem Übergang begleitet und ihr dabei geholfen, ihren Weg in die Anderswelt bzw. dorthin, wo sie gehen muss, zu finden. Dabei geht es nicht darum, den Tod zu verhindern oder die Seele „zu retten“. Der Psychopompos übernimmt vielmehr eine begleitende und orientierende Funktion. Nach schamanischer Vorstellung kann es vorkommen, dass eine Seele nach dem Tod noch stark an ihr bisheriges Leben, einen Menschen, einen Ort oder eine unerledigte Angelegenheit gebunden ist.
Wie werden Seelen begleitet?
Ich als Schamanin kann Kontakt mit der Seele aufnehmen und sie auf ihrem Weg begleiten. Diese bewusste Begleitung kann dabei helfen, den Übergang nicht als etwas Bedrohliches oder Unbekanntes zu erleben, sondern als einen Prozess des Loslassens und Hinübergehens. Dabei kann Raum für Abschied, offene Themen, Ängste und die Verbindung zu den Ahnen entstehen. Altes kann losgelassen werden. Psychopompos-Arbeit kann sich außerdem auf Situationen beziehen, in denen Menschen das Gefühl haben, dass ein Verstorbener „nicht weitergegangen“ ist. Aus schamanischer Sicht kann dann untersucht werden, ob tatsächlich eine solche Verbindung besteht und was für einen bewussten Abschied notwendig sein könnte. Für die Angehörigen kann diese Arbeit ebenfalls bedeutsam sein. Sie kann einen Raum für Abschied, Trauer und Loslassen schaffen und dabei helfen, die Beziehung zum Verstorbenen in eine neue Form zu bringen.
Eine Seelenaufgabe für mich
Die Arbeit als Psychopompos kam zu mir, bevor ich wusste, dass sie überhaupt existiert. Zu Beginn meiner spirituellen Arbeit begleitete ich auf ihren Wunsch, ohne, dass ich es wirklich gelernt hatte, aber in meiner Seele wissend, was zu tun war, die Mutter meines Partners auf ihrem letzten Weg. Durch die letzten Tage mit all der vorhandenen Angst, dem Stress im Krankenhaus und unerfüllten Wünschen über den eigentlichen Akt des Sterbens bis zur Begleitung ihrer Seele durch die Dunkelheit hin zu ihrem Ziel.
So war ich selbst in diesem Leben mit meinem fair share Tod konfrontiert, musste geliebte Menschen gehen und fast gehen lassen und mich von meiner über alles geliebten Hündin plötzlich verabschieden. Ich kenne die Bandbreite der Emotionen dazu, die gefühlte Sinnlosigkeit des Seins, das Betteln und Verhandeln, bitte bitte nur noch etwas mehr Zeit, warum, warum nur geschieht das, was zur Hölle, Hilfe, Hilfe, Hilfe. Trotz allem, was ich durch meine Arbeit über Tod, Sterben und Leben weiß. Ich kenne beide Seiten sehr genau. Ich mute dir keine Plattitüden oder Gelaber zu. Der Tod ist was es ist. Ich hab dich.